Bell das Dorf der Backofenbauer

Bell das Dorf der Backofenbauer

Bell das Dorf der Backofenbauer

Durch die Vulkanausbrüche vor etwa 490.000 Jahren entstanden um Bell Tuffsteinformationen, die im 19. und 20. Jahrhundert den Backofenbau zur Haupterwerbsquelle des Dorfes machten. Der Beller Selbergit-Tuff ist ein hitzebeständiger, feuerfester Naturstein, der eine hohe Wärmeleitzahl aufweist und daher, bei entsprechender Isolierung, Wärme regelrecht speichert. Wegen dieser und noch anderer Eigenschaften ist er besonders zur Verwendung für den Steinbackofen geeignet.

Nach dem Ende des Lehnswesens um 1800, das vorrangig auf Ackerbau ausgerichtet war, entwickelte sich in Bell mit über 50 kleinen Familienbetrieben das Zentrum des rheinischen Backofenbauergewerbes. Von hier wurden die gebrochenen und bearbeiteten Steine aus den Beller Leyen in der "Schweiz", im "Schweinsgraben", "Auf dem Sprung" und "Auf der Edel" mit Fuhrwerken, per Eisenbahn und Rheinschiff ins In- und Ausland verschickt. Zielorte waren unter anderen Holland, Belgien, Frankreich, Italien, Griechenland und sogar Palästina. Mit Ihnen fuhren, oft für mehrere Monate, die Beller Backofenbauer, um bei ihren Auftraggebern die Öfen aufzubauen. Es begann mit dem Rüsten und Fugen (Oberflächenbearbeitung) der Tuffsteine, während Maurer den Sockel aufmauerten und mit Sand füllten. Darauf wurden die Herdplatten und die Bank gelegt. Nach dem Versetzen der Ringsteine wurde aus den "Teuch" das Gewölbe zusammengefügt. Zuletzt machte man die Schallen und Kanäle und stellte den "Fuchs" her, der den Ofen mit dem Kamin verband.

Bell das Dorf der Backofenbauer

Um Berufsgeheimnisse zu wahren und dem Bäcker nicht alles zu verstehen zu geben, bediente man sich einer Geheimsprache. dem "Läppe Tallep". Substantive, Verben und Adjektive des Beller Platts wurden einfach umgedreht und rückwärts gesprochen: Bäcker = Reckäb, Brot = Torb, Backofenbauer ("Backofenmacher") = Kabnefochamer, Eifel = Lefei, trinken = knirre, schaffen = neffasche.

Die industrielle Revolution der Dreißiger Jahre blieb jedoch vor den Bäckereien nicht stehen, die ihre Einrichtungen nun mit modernster Technologie ausstatteten.

Nun mussten die Backofenbauer die technischen Neuerungen übernehmen. Von nun an produzierten die zunächst Dampfbacköfen in ganz gemauerter, Halbstahl- oder Stahlbauweise, und später dann Stahlöfen als öl- und gasbeheizte Umwälz- oder Wärmeträgeröfen oder als Elektroöfen.

Auch im modernen Backofenbau wird der Tuffstein nach wie vor zum Auslegen der Backkammern benötigt, wenn nicht in reiner Form, dann gemahlen und wieder zu Platten gebunden. Diese Steinplatten weisen die gleichen hervorragenden Eigenschaften wie der reine Tuffstein auf. Die traditionellen Holzbacköfen werden heute wieder mit steigendender Nachfrage für Bäckereien zur Herstellung von Holzofenbrot, aber auch für private Liebhaber gebaut.

Bell das Dorf der Backofenbauer

Der Backofenbau des 19. Jahrhunderts hatte aber nicht nur positive wirtschaftliche, sondern auch negative soziale Auswirkungen. Oft war der Backofenbauer monatelang von zu Hause weg und musste Frau und Kindern die Arbeit im landwirtschaftlichen Nebenberuf überlassen. Auch die Familienbeziehungen wurden durch die lange Abwesenheit des Mannes erschwert. Im Winter, bei starkem Frost und Schneefall ruhte die Arbeit, wodurch auch das nötige Einkommen fehlte. Es hieß damals: "Dem Backofenbauer ist im Sommer keine Flasche Wein zu teuer und im Winter kein Stück Brot zu hart !"


In unserer heutigen Zeit konnten sich die kleinen Familienbetriebe nicht mehr halten, und von den 50 Betrieben in Bell sind es heute noch drei, die aber neben den modernen Backöfen nach wie vor auch gemauerte Holzbacköfen produzieren.