Der Hasenbrunnen zu Bell

Der Hasenbrunnen zu Bell am Laacher See (genannt Hassebuhr)

Der Hasenbrunnen zu Bell am Laacher See

Am Ende eines herrlichen Wiesentales und am Eifelwanderweg Nr. 1 in der Brunnenstraße zu Bell liegt der Hasenbrunnen. Eingerahmt von hohen Kastanienbäumen gehört er zum Dorf wie seine ca. 1500 Einwohner. Kaum eine andere gemeindliche Einrichtung ist von der Bevölkerung so verinnerlicht, vielleicht sogar geliebt, wie dieser Brunnen.

Er ist die Quelle des Beller Baches, welcher in Mendig, unterhalb der Erlenmühle, in den Kellbach mündet. Seit Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden liefert er eine hervorragende Wasserqualität von konstanter Menge und Temperatur.

Aussagen der älteren Beller lauten: “Man kann sich nicht daran vertrinken und es liegt einem nicht schwer im Magen. Selbst vom Krankenbett aus wurde es öfters verlangt. Ob bei der Feldarbeit oder in den Steinbrüchen der Backofenbauer, das Wasser des Hasenbrunnes war immer dabei und löschte den Durst bei der schweren Arbeit.

Der Hasenbrunnen zu Bell am Laacher See

Wann die Quelle erstmals gefasst wurde, war nicht mehr zu recherchieren. Das zur Zeit älteste bekannte Foto datiert aus dem Jahre 1926. Diese Gestaltung, die bis 1968 unverändert blieb, stammt vermutlich aus der napoleonischen Zeit und fand bei der Bevölkerung den wohl größten Zuspruch. Hier lagen, neben der eigentlichen Quellfassung, noch zwei mit dicken Basaltwerksteinen eingefasste Becken (ca. 12 qm groß und 80 cm tief).

Der ganze Platz war mit Basaltpflaster belegt und auf drei Seiten mit einer Natursteinmauer eingefasst. Ferner hatte er noch zwei Rastbänke aus Basalt. Übrigens die gleichen Bänke wie sie noch heute „Auf der Räst“, zwischen Bell und Obermendig, und an der Straße nach Mayen, gegenüber den Rodderhöfen, zu sehen sind.

Die Becken waren im Sommer ein beliebter Spielplatz für die Dorfjugend und den Landwirten dienten sie als Waschbecken für ihre Kartoffelsäcke.

Der Hasenbrunnen zu Bell am Laacher See

Leider hatte man versäumt diese Brunnenanlage im Laufe der Jahre zu renovieren. So kam es, wie es nach dem Kriege des öfteren der Fall war, dass man 1968 unter Renovierung etwas anderes verstand als der Anlage dienlich war. Man renovierte so kräftig, dass man sie kaum wieder erkannte. Der Naturstein war beseitigt und stattdessen regierte blanker Beton. Man hatte dem Hasenbrunnen die Seele wegrenoviert. Der heutige Zustand ist das Ergebnis des Umbaus von 1987 und damit der zweite Versuch dem Hasenbrunnen eine moderne und zeitgemäße Form zu geben. Durch das Nachkriegswirtschaftswunder hat der Brunnen als Trinkwasserlieferant seine Bedeutung eingebüßt. Man trinkt heute überwiegend Mineralwasser. Ein paar treue Wassertrinker hat der Hasenbrunnen immer noch. Einer davon war bis 2000 Hans Bell aus Bell. Er trank täglich bis zu seinem 93. Lebensjahr seinen „Hassebuhr“. Für ihn war es ein wahrer Jungbrunnen. Aber trotz aller Änderungen und Umgestaltungen weht immer noch ein Hauch von Romantik über unserem Hasenbrunnen.

Wenn in Bell von der Bank unter der riesigen Kastanie gesprochen wird, leuchten so manchem älteren Beller Bürger die Augen etwas heller.
Will man den vielen Erzählungen Glauben schenken, so hat Gott Amor hier viele Pfeile abgeschossen und dabei sogar öfters getroffen.

(von Karl Schneider, 1. Januar 2004)